AMBU - Zigarrenfabrik
und
Sonnenschein - Möbelfabrik
in
Burgsteinfurt


 Die Zigarrenfabrik AMBU an der Bahnhofstr. 20 mit dem Wohnhaus (rechts im Bild) Die Abbildung stammt aus den sogenannten Besuchs-Anzeigen der damaligen Zeit und ist ein Auszug aus den alten "Kurzbriefen" der ehemaligen Mazzothbäckerei.
 

 


 

 

 
 

Bernard Meintgens nannte sich in der Zeit um 1900 noch Meinken, obwohl in den Kirchenbüchern bereits seit 1843 der Name Meintgens eingetragen wurde.

Familienstammbaum der Familie Meintgens

In der Türkeistraße Nr.1 hat alles begonnen:

Firmengründer Bernard Meintgens wurde am 15. Dezember 1843 in Ahaus geboren. Gelernt hat er bei der Firma Oldenkott-Tabakwaren. Im Jahre 1866, den Krieg gegen Dänemark hat er nicht mitgemacht, zog er dann nach Burgsteinfurt und heiratete am 15.01.1867 Anna Catharina Lösing aus Vreden. Sie wohnten ab 1875 in dem Haus Türkeistraße Nr.9 und später dann in dem Haus Türkeistraße Nr.1, welches sie dann um 1900 käuflich erwarben. In den ersten Jahren war Bernard als Zigarrenmacher und Barbier tätig, bevor er dann später seine eigene Zigarrenfabrik gründete.


Die Zigarrenfabrik wurde am 3. Dezember 1893 in der Türkeistraße Nr.1 von Bernard Meintgens sen. und seinem zweiten Sohn Adolph Ludwig Carl gegründet und trug den Firmennamen "AMBU Zigarrenfabrik". Die Firma wurde unter der Nummer 286 in das Handelsregister-A eingetragen. Die Zigarren wurden zuerst nebenbei in Heimarbeit hergestellt, wobei Bernard Meintgens sen. noch den Beruf des Barbiers nachging. Das Zigarrengeschäft hingegen entwickelte sich immer besser, so das um 1900 auch noch eine Tabakwarengroßhandlung angeschlossen wurde.

 

 

    


Adolph Ludwig Carl Meintgens
1872 - 1947
     

Antonia Meintgens geb.Richter
1874 - 1976
     

 

 

Adolf Engelb.Bernh.Meintgens
1905 - 1987

Katharina Berhardine Meintgens
 1907 - 1989

Bernhard Ludger Meintgens
1915 - 1985


 

Am Markt 10 wurde der Grundstock gelegt:

Schon 1902 wurde der Betrieb, der zu dieser Zeit ca.12 Arbeiter und Angestellte beschäftigte, in das Gebäude Markt 6 (später Markt 10) verlegt. Das Gebäude war 1857 im Besitz des Kaufmanns Samuel Israel genannt Berna. Von ihm erwarb es 1892 der Sattlermeister und Möbelhändler August Ströhmer. Wohl noch unter Ströhmer erfolgte eine Umgestaltung der Fassade: die Tür wurde an die rechte Seite verlegt und links davon ein großes Schaufenster angebracht. Während die Firma immer mehr von Adolf L.C. geleitet wurde, übernahmen Bernard sen. und sein dritter Sohn Joseph Clemens mehr und mehr das Friseurgeschäft. (Auch der älteste Sohn von Bernard sen., Bernhard jun. wurde Babier). Joseph Clemens heiratete dann um 1905 Elisabeth Maria Stoffers aus Münster und zog mit ihr nach Osterfeld, wo er sich als Dentist niederließ. Bernard sen. übernahm somit alleine das Friseurgeschäft, wofür dann im Jahre 1909 ein weiterer Umbau im Haus Markt 10 vorgenommen wurde. Aus dem einen großen wurden zwei schmale Schaufenster, der Eingang wurde in die Mitte verlegt und in dem Ladengeschäft wurden zwei Geschäfte eingerichtet. In dem einen wurde die Tabakwarengroßhandlung weitergeführt, und in dem anderen wurde ein Frisiersalon für Bernard sen. eingerichtet. Somit zog sich Bernard sen. immer mehr von der Zigarrenfabrik zurück und führte nunmehr das Friseurgeschäft alleine weiter bis 1914. Nach dem Tode seiner Frau Anna Catharina am 25.05.1911 wohnte er in der ersten Etage und hatte dort seinen eigenen Haushalt.

 

 
     Das alte Firmenschild

 

Da in den Jahren 1912 - 1913 keine Rohtabake eingekauft wurden, sind während des Krieges keine Tabake zugeteilt worden und die Fabrikation mußte 1914 zwangsläufig eingestellt werden. Im Frühjahr des Jahres 1916 ließ Adolph Ludwig Carl das Geschäft am Markt 10 erneut umbauen. Im hinteren Teil des Geschäfts wurde auch die Zigarrenproduktion wieder aufgebaut. Es waren eher Zigarillos. Diese Zigarillos wurden noch in Handarbeit hergestellt und in Pappkästchen  verkauft. Sie hatten eine Länge von 77 mm und einen Durchmesser von 10 mm. Sie wurden mit einer Havanna-Einlage versehen. Die Kästchen hatten die Maße: 82*65*19 mm. Der Deckel war mit dem AMBU-Halbmond und dem Schriftzug "KLEINE MÖVE" versehen. Diese Zigarillos kosteten damals 10 Deutsche Pfennige je Stück. Von der "KLEINEN MÖVE" und der Marke "KOBOLD" sind noch einige Schachteln erhalten geblieben.

In den letzten Jahren vor dem ersten Weltkrieg erreichte der Tabakwarengroßhandel einen so bedeutenden Aufschwung, sodaß die Firma zu einer der führenden Tabakgroßhandlung im Münsterland führend wurde.
Am 28.10.1916 wurde Adolph Ludwig Carl zum Kriegsdienst einberufen. In dieser Zeit übernahm seine Ehefrau Antonia, geb. Richters das Geschäft. Während des 1.Weltkrieges sind zwei Arbeiter der Firma gefallen. Von 1917 bis 1920 konnte wegen Mangel an Tabakwaren fast nur das Detailgeschäft betrieben werden. Der Tabakwarengroßhandel, wie auch die Zigarrenproduktion mußten zwangsläufig eingestellt werden. Im Jahre 1920 erhielt dann die Firma wieder das erste größere Zigarrenangebot. Bis zum Jahre 1929 war der Großhandel soweit wieder im Betrieb, daß er bereits zur größten Fachgroßhandlung des Kreises Steinfurt zählte. In Folge mußte daher der Betrieb wegen Raummangel in dem neuerbauten Haus Bahnhofstr.12 verlegt werden.

 

 

 



     Kleine Möve     



     Kobold     

 
     Heraldo oder Bremer Ritter

 


     Ambu Gold (Kleines Etikett)


     Ambu Gold


      Ambu Gold (Golddruck)


     Ambu Gold (ohne Aufdruck)


     Ambu Gold "Parade"


     El Triunfo   

 

 
     FLOR DEL ARTE

 
     FLOR DEL ARTE

 

 
     FLOR DE RIVERO

 
     Preussenfunk


     Preussenfunk

 

 

 Aufstellung einiger AMBU - Zigarrenmaken

Marke

Formennummer

Marke

Formennummer

Ambu Gold

14307

Mercado

14209, 19261

Ambu Mocca

17229

Mönsterländer

 

Ambu Gold Parade

 

Monumento

18695

Aurora

19410

Nanu

 

Bahia Import

 

Ohne Konkurenz

15513, 19244, 19312

Brasiliana

16098

Preussenfunk

13974

Bremer Ritter

14328

Prinz Heinrich

 

Bremer Wert

 

Pueblo

 

Burgeck

 

Roland

 

Colibri

 

Ruf 226

 

Edelkrone

17724, 17552, 19462, 19501

Sieg

 

Ehrenpreis

 

Simbolo

15568

Fama de Brasil

 

Spitzenwunder

 

Flor De Rivero

16449

St. Felix Brasil

19410

Flor Del Arte

17952

Staatspreis

15109

Gathak

 

Stadtkönig

15111, 18913

Gloria Brasil

13974

Tandem

 

Goldsiegel

16448

Tannenberg

18696

Golf

16448

Tropenfunke

 

Heraldo

 

Trumpf

 

Herrenhaus

18695

Udo

17311

Importa

 

Vierkant Kork

 

Isla de Cuba

 

Vollkraft

 

Kenty

 

Wachtelstöber

19088

Kitty

17229

Wapiti

18789

Kleine Ambu

15162

Westfalengruß

19244

Kleine Möve

15514, 18968

 

 

Kobold

18970

 

 

La Corona

16905

 

 

La Divina

 

 

 

La Posta

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinweis:
Trotz gründlicher Recherchen kann ich nicht ausschließen, daß die obige Aufstellung auch einige Marken aus dem Tabakwarengroßhandel beinhaltet. Die Marken, denen eine Formennummer zugeordnet ist, wurden lt. alten Listen auch hergestellt.

Hinweis für Insider:
Bis zum 31.12.1933 wurden die Zigarrensteuermarken für AMBU-Zigarren mit der Entwertungsnummer 410064 bedruckt.
Die Entwertungsnummer ab dem 01.01.1934 lautete 410054
 

 

In einer Betriebsaufnahme von 1943 wurden nachfolgende Kistenetiketten und Brände als Bestand aufgenommen. Diese Etiketten wurden zum größten Teil in der eigenen Druckerei hergestellt. Zugekauft wurden nur Etiketten die eine besonderes Druckverfahren erforderten wie z.B. Ambu-Gold, Flor del Arte, Preussenfunk.

Eigenherstellung von Etiketten:
Burgeck,   Tannenberg,   Vollkraft,   Spitzenwunder,   Kitty,   Pueblo,   Heraldo,   Westfalengruß,   St. Felix,   Importa,   La Divina,   Simbolo,   Goldsiegel,   Ehrenpreis,   Gathak,   Roland,   Mercado,   Staatspreis,   Edelkrone,   Isla de Cuba,   Honoratio,   Nobello,   Brasil Kultur ,   La Posta,   Bremer Wert,   Goldbrand,   Ambu Gold,   Gloria Brasil,   Flor del Arte,   Preussenfunk,   Flor de Rivero,   Brasil Import,   Doppel-Löwen,   Westfalengruß,   Sonderklasse,   Golf,   Volltreffer,   Fama de Brasil,   Brasiliana,   El Triumpfo,   Club

Eigenherstellung von Bränden:
Abend Laune,   Preußen Adler,   Gold Adler,   Schwarz-Gold-Streifen,   Primos,   Gloria,   Mara Selekta,   Aromaticos,   Indianerkopf,   Fama Brasil,   Wachtelstöber,   Herrenhaus,   

Ansichtskarten:
In einem geringen Umfang sind in dieser firmeneigenen Druckerei auch Ansichtskarten mit Burgsteinfurter Motiven gedruckt worden.
  

 


     Monumento
 

 
     Wachtelstöber
 

 
Umband der Marken Golf, La Posta,
Ohne Konkurenz, Staatspreis, Westfalengruß
 

 

  
     Deckelaufdruck (außen) von Preussenfunk 
 

 
 
     Alte Skizze zur Zigarrenform der Marken
     Stadtkönig und Staatspreis
 

 

 

 

  
     Kleine Möve Zigarillos
 


 
     Kobold Zigarillos
 

 

 




 

     Spitzenwunder
 

 

 


 

An der Bahnhofstraße 12 begann die Blütezeit

Im Jahre 1929 wurde dann die Firma von Markt 10 zum Neubau an der Bahnhofstraße 12 verlegt. Zu diesem Zeitpunkt trat auch sein Sohn Adolf Engelbert Bernhard in die Firma mit ein. Bereits zwei Jahre später, im Frühling des Jahres 1931, trat dann auch der zweite Sohn, Bernhard Meintgens, der Firma bei. Das Hauptgebiet der Firma war der Großhandel mit Tabakwaren, wobei die Eigenproduktion zwischen 1914 und 1933 eher eine untergeordnete Rolle spielte und teilweise auch eingestellt wurde. Ab 1933 wurde dann neben der Wiederaufnahme der Zigarrenfabrikation auch die Neuaufnahme einer Tabakschneiderei per 1.1.1933 beantragt. In diesem Zusammenhang wurde die Firma Adolf Meintgens am 1. Mai 1933 aus dem Handelsregister A gelöscht. Hierfür wurde im Handelsregister B unter der Nummer 67 die Firma "Adolf Meintgens, Tabakwarengroßhandlung, Gesellschaft mit beschränkter Haftung" eingetragen. Als Geschäftsführer wurden die Kaufleute Adolf Ludwig Carl Meintgens und Adolf Engelbert Bernhard Meintgens eingetragen. Im Oktober desselben Jahres wurde dann die Zigarrenfabrikation auch tatsächlich wieder aufgenommen, und somit wuchsen auch die Umsätze bis 1940 stetig an. Dabei gibt die Entwicklung der Arbeiterzahlen in der Tabakwarengroßhandlung und -fabrikation ein ungefähres Bild wieder, wobei noch zu berücksichtigen ist, dass zur Produktionssteigerung Anfang 1944 auch Zigarrenmaschinen zugekauft und eingesetzt wurden.

Geschäftsjahr

Mitarbeiter

 

1893-1902

ca. 10-12

 

1902-1929

15

 

1929-1934

25

 

1935

71

7 Angestellte, 3 Reisende, 1 Vertreter, 60 Arbeiter

1936

70

7 Angestellte, 2 Reisende, 2 Vertreter, 59 Arbeiter

1937

75

7 Angestellte, 3 Reisende, 3 Vertreter, 62 Arbeiter 

1938

76

7 Angestellte, 3 Reisende, 3 Vertreter, 63 Arbeiter 

1939

77

7 Angestellte, 3 Reisende, 3 Vertreter, 64 Arbeiter 

1940

68

5 Angestellte, 1 Reisende, 3 Vertreter, 59 Arbeiter 

1941

68

3 Angestellte, 65 Arbeiter 

1942

63

3 Angestellte, 60 Arbeiter

1943

53

3 Angestellte, 50 Arbeiter

1944

44

3 Angestellte, 41 Arbeiter (davon 10 Lehrlinge)

1945

45

45 Mitarbeiter bis zum 15.März 1945, dann kam die Bombadierung und ab 1.4.1945 die Besetzung des Wohnhauses und des Betriebes. 13 Mitarbeiter sind bei der Bombadierung Burgsteinfurts gefallen.

1946

40

40 Mitarbeiter nach teilweiser Freigabe des Betriebes.

1947

183

5 Angestellte, 25 Zigarrenarbeiter. - 30 Näherinnen und 1 Meister für die Bango-Lederwaren. - 1 Meister und 39 Arbeiter und Lehrlinge für die Sonnenschein-Büromöbel. - 3 Fahrer, 3 Holzfäller, 2 Meister, 4 Reisende, 1 Vertreter, 1 Wachtmeister, und 22 Arbeiter für das Sägewerk Sonnenscheinkämpe. (Des weiteren noch 46 Arbeiter und Angestellte welch nicht eindeutig den Firmenzweigen zugeordnet werden können.)

1948

218

Neuzugang von 35 Schreinern. Zwischenzeitlich wuchs die Belegschaft auf 223 Mitarbeiter an.

Mitte 1949

155

Nach der Grundbuch-Sperrung des englischen Militärgerichts mußte die Belegschaft auf 155 Mitarbeiter abgebaut werden.

Ende 1949

96

Durch Aufgabe der Bango-Lederwaren weiterer Abbau der Belegschaft um 59 Arbeiter und Hilfskräfte auf 96 Beschäftigte.

Mitte 1950

60

Weiterer Abbau von 36 Arbeiter.

Ende 1950

37

Weiterer Abbau von 23 Arbeiter.

1951

32

Weiterer Abbau von 36 Arbeiter.

1952

47

Neueinstellungen in der Schreinerei von 15 Mitarbeitern.

08.12.1953

47

 

  

 

Im März 1936 wurde auch Bernhard Ludger, der jüngste Sohn von Adolph L.C., Teilhaber der Firma. Gleichzeitig wurden aber die Fabrikationsräume an der Bahnhofstraße 12 zu klein, und auch das Gewerbeamt Coesfeld gestattete nur vorübergehend die weitere Produktion, da Adolph L.C. immer wieder versichert hatte für schnellste Abhilfe zu sorgen. Auch sollte schnellstens ein Aufenthaltsraum entstehen. So fanden 1936 die ersten Verhandlungen mit der Stadt Burgsteinfurt wegen eines neuen Baugeländes statt.

Am 29.Dezember 1936 wurde dann die Firma Adolf Meintgens GmbH in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt. Unter der Nummer 407 wurde der Firmenname "Adolf Meintgens, Zigarrenfabrik, offene Handelsgesellschaft zu Burgsteinfurt" in das Handelsregister A eingetragen. Als Gesellschafter wurden Kaufmann Adolf Meintgens senior und Kaufmann Adolf Meintgens junior eingetragen. In das Geschäft wurde Kaufmann Bernhard Meintgens als persönlich haftender Gesellschafter eingetragen. In Vertretung der Gesellschaft wurden Adolf Meintgens senior allein und die beiden übrigen Gesellschafter Adolf Meintgens junior und Bernhard Meintgens in Gemeinschaft ermächtigt.

 

 

 


 

Generationswechsel:


Hochzeit von Adolf Engelbert Bernhard Meintgens und Cäcilia Steingrube am 1.8.1933

 

 

 

 


 

An der Bahnhofstraße 20 ging die Blütezeit weiter

1937 wurde dann Adolph L.C. von der Stadtverwaltung das Grundstück der Firma Joseph Markus OHG (Bahnhofstr.20) empfohlen, welches dann am 10.12.1937 erworben wurde. Wie sich später herausstellte, war dieses jedoch die folgenschwerste Entscheidung, die in der insgesamt 62jährigen Firmengeschichte getroffen wurde. (Die Firma, bzw. Firmen bestanden vom 03.12.1893 - 15.11.1955).

Die Gebäude dieser ehemalige Mazzothbäckerei mußte allerdings zuerst einmal für die Zigarrenproduktion ausgebaut und eingerichtet werden. Allein 4 Waggon Wandplatten und mehrere Waggon Fußbodenplatten mußten angeschafft, und in den neu eingerichteten Arbeitsräumen verbaut werden. Die Räume, die vorher als Mehllager und sonstige Läger gedient hatten und ohne Heizung waren, wurden mit Klima-Anlage versehen. Ebenso sorgte der eingebaute Aufzug für 4 Personen und 600 kg Traglast, für einen reibungslosen Transport zwischen den einzelnen Etagen. Der eigentliche Umzug von der Bahnhofstraße 12 zur Bahnhofstraße 20, fand dann am 7. Juni 1938 statt. Während das Gebäude Bahnhofstr.12 nun als Wohnhaus für Adolf Ludwig Carl (inzwischen 65 Jahre alt) und die anderen Familienmitglieder eingerichtet wurde, zog Adolf E.B. mit seiner Familie in das Wohnhaus Bahnofstr.20 ein. Auch hier mußten einige Umbaumaßnahmen vorgenommen werden.

In diesen, und den darauf folgenden Jahren, verlagerte sich der Schwerpunkt des Umsatztes vom Großhandel auf die Zigarrenproduktion. Ebenso verlagerte sich das Hauptabsatzgebiet der AMBU-Zigarren nach Hamburg, Holstein, Mecklenburg und Brandenburg. Die Zahl der Kunden stieg dabei auf mehr als zweitausend an. Während des Krieges lief der Betrieb in guter Auslastung bis 1943.

 

 

 

 

 

In den 1940er Jahren wurden auch bei AMBU solche Zigarren- bzw. Zigarillo-Maschinen eingesetzt. Diese Maschinen wurden von je zwei Zigarrenarbeiter(innen) bedient und hatten eine Leistung von ca. 45.000 Zigarren in 48 Std. pro Maschine.

 (Authentisches Prospektfoto der bei AMBU eingesetzten Zigarren- bzw. Zigarillo-Maschinen.)


 

Kriegsende und Nachkriegszeit:

Durch die Bombardierung am 17. März 1945 wurde die Außenmauer nach der Seite der Bundesbahn zwar stark beschädigt, der Betreib konnte jedoch weiter aufrecht gehalten werden. Beim Einmarsch der englischen Truppen am Karsamstag 1945 wurde der gesamte Betrieb nebst Wohnhaus beschlagnahmt und belegt. Sie plünderten die Bekleidungskammer nebst Magazin-Abteilung und nahmen auch private Gegenstände mit. In Folge dieser Besatzung mußte das Betriebsbüro am 6.April 1945 wieder im Hause Bahnhofstraße 12 eingerichtet werden. Da dieses Haus dann am 15.Mai 1945 wiederum durch die Belgier beschlagnahmt wurde, mußte das Büro abermals verlegt werden, diesmal in die hinteren Räume der Fabrik Bahnhofstraße 20.

Am 23. Juni 1945 wurde die erste Fabrikationsgenehmigung zur Herstellung von Zigarren durch die Militärregierung erteilt. Gleichzeitig wurden die Fabrikräume teilweise von den Engländern geräumt, und im Herbst 1945 kam auch Bernhard Meintgens aus amerikanischer Gefangenschaft zurück. Somit konnte nun mit dem Wiederaufbau begonnen werden, und mit Unterstützung des Kreiswirtschaftsamtes war es dann auch möglich, bereits hier im Kreis Steinfurt ein halbes Jahr früher wie im Land, Rauchermarken auszugeben und die Rauchwaren hierfür zur Verfügung zu stellen. Hierdurch konnte der Tabakwarengroßhandel schnell wieder aufgebaut werden.

Im Jahre 1946 wurden für die Zigarrenproduktion in Burgsteinfurt und Schöppingen insgesamt 15 Morgen Ackerland für den Anbau von Rohtabak angepachtet.

Am 30. August 1946 wurde die Herstellung und der Vertrieb von Zigarettenpapier genehmigt und auch durchgeführt. Hierfür wurde zuerst der Restlagerbestand von 150 Kilo Wickelpapier für Zigarillos verwendet. Später wurde dieses dann durch ein Kunstumblatt ersetzt.

Ende 1947 kamen dann auch die ersten Neulieferungen von Rohtabak, sodaß neben dem Großhandelsgeschäft die Zigarrenproduktion Anfangs mit ca. 10 Arbeitern wieder aufgenommen werden konnte. Leider
mußte die Zigarrenproduktion dann gegen Ende 1948 wegen Mangel an Rohtabak drastisch heruntergesetzt werden, da mit Eingang des erwarteten Rohtabaks aus Amerika erst Ende Januar 1949 gerechnet werden konnte.
 

 


 

 

Neue Firmenzweige: Sonnenschein Möbelfabrik, Sägewerk, Bagno Lederwaren

Ende 1946 wurde dann vergebens nach einem passenden Gebäude für die neue Möbelfabrikation einschl. Säge- und Schälwerk gesucht, und es wurde am 15. Dezember 1946 vom Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen die Betriebsgenehmigung für die Möbelfabrik Sonnenschein erteilt. Im selben Jahr wurde auch der Firmenzweig Bagno Lederwaren ins Leben gerufen. Unter diesem Firmennamen wurden vor allem Einkaufstaschen hergestellt, die einen guten Absatz fanden. Da jedoch für die Möbelproduktion keine geeigneten Liegenschaften gefunden wurden, wurde der Entschluß gefasst, ein neues Fabrikationsgebäude auf dem Grundstück Bahnhofstr.20 zu errichten. Bis dahin mußte aber die Möbelproduktion in einen Teil der alten Betriebsräume eingerichtet werden.

Erst im Sommer 1949 konnte mit den Ausschachtarbeiten für das neue Fabrikationsgebäude begonnen werden. In der Zwischenzeit wurden aber auch Verhandlungen mit der Fürstlichen Domänenkammer zur Anpachtung der Sonnenscheinkämpe für eine Lohnschälerei geführt, sodaß hier am 2.Novemver 1947 ebenfalls mit den Bauarbeiten begonnen wurde, die aber wegen zu großer Feuchtigkeit bis Frühjahr 1948 zurückgestellt wurden. Die Produktionsgenehmigung für die Lohnschälerei erfolgte dann zum 27.April 1948. Die Belegschaft wuchs mittlerweile auf 223 Mitarbeiter in der Spitzenzeit an, wobei in dieser Summe allerdings auch die Mitarbeiter der Zigarrenproduktion und der Bagno - Lederwaren - Abteilung mit einbezogen sind.  

 

 

 


 

Beschlagnahme und Rückerstattung - Der Anfang vom Ende:

Nachdem die Familie und auch die Firmen den 2.Weltkrieg und die ersten Nachkriegsjahre ganz gut überstanden hatten schlug das Schicksal dann im Jahre 1949 mit seiner gesamten Härte zu. Das im Jahre 1937, von der Finanzbehörde erworbene Firmengelände Bahnhofstraße 20 wurde am 13.4.1949 von der englischen Militärregierung beschlagnahmt und letztendlich unter Zwang des 'Broad of Review, Herford' am 08.12.1953 den ehemaligen Besitzern zugesprochen. Die unentgeltliche Rückgabe betraf alle alten und neuen Fabrikgebäude. Kurz darauf wurde der Besitz mit sämtlichen Neubauten weit unter Preis an eine Firma in Bielefeld verkauft. Ein Protest vor dem Amtsgericht Burgsteinfurt blieb ohne Erfolg. Daraufhin wurde am 16.12.1953 auf Antrag der Gesellschaft  beim Amtsgericht Burgsteinfurt der Konkursbeschluß erlassen, und der Konkurs am 15.11.1955 beendet. Der Rechtsstreit zwischen der Familie Meintgens und der Bundesrepublik Deutschland sollte jedoch noch fast 40 Jahre andauern.

 

Ein wenig Normalität:

Am 6.September 1957 wurde in den alten Räumen am Markt 10 wieder ein Zigarrengeschäft eröffnet, welches am 30.09.1963 in eine Tabakwaren und Spirituosenhandlung umgemeldet wurde. Das Geschäft wurde dann noch bis Dezember 1968 von Adolf E.B. Meintgens alleine geführt.

 

Zu aller Letzt:

Die Firmengründer Bernard Meintgens sen. und Adolf L.C. Meintgens haben den Untergang der Firma nicht mehr erlebt. Bernard Meintgens sen. starb 1922 in Burgsteinfurt im Alter von fast 79 Jahren. Adolf L.C. starb 1947 in Burgsteinfurt im Alter 74 Jahren. Sein Sohn Adolf E.B. erlebte 1981 noch den Teilerfolg vor dem Reparationsschädengesetz. Hierbei wurde der damalige Kauf nach langem Rechtsstreit doch noch als rechtmäßig angesehen. Allerdings dauerte dann der nachfolgende Rechtsstreit zur Korrektur des ermittelten Schadeneintrittszeitpunkt noch bis in das Jahr 1993 und wurde abschließend nicht anerkannt.

Adolf Meintgens starb 1987 in Burgsteinfurt im Alter von 82 Jahren. Seine Ehefrau Cäcilia zog dann zwei Jahre später zur Familie Ihres ältesten Sohnes Wolfram nach Westkirchen und starb dort am 10.05.1997. 

Wolfram Adolf Meintgens hat noch das letzte, abweisende Urteil vom 4.3.1993, wegen einer Rückerstattung mit korrigiertem Schadenszeitpunkt miterlebt und starb noch im selben Jahr im Warendorfer Krankenhaus im Alter von nur 59 Jahren am 11.08.1993.

           
 Wolfram Meintgens         
1934 - 1993             

 


 

Kuriosum am Rande:

Nachdem der Besitz Bahnhofstr.20 von den ehemaligen Eigentümern nach Bielefeld verkauft worden war, wurde dieser Besitz wiederum an den Staat weiterverkauft und ist dann lange Zeit in Staatsbesitz geblieben. Das Grundstück Bahnhofstr. 20 teilten sich die Standortverwaltung der Bundeswehr und eine Fernmeldeabteilung.

 

Heute ist das Firmengelände Bahnhofstr.20 wieder in Privatbesitz, wobei in dem Wohnhaus eine Versicherungsagentur, und in den Fabrikhallen ein Fahrradmontagebetrieb eingerichtet ist.

 

 


Email:
mailto:achim@meintgens.de

 

Homepage:
www.meintgens.de

 

 

Update: 07.10.2013

 

W A N T E D

Lieber Besucher,

aus der damaligen Zigarrenproduktion sind leider nur noch ein paar Zigarilloschachteln von "Kleine Möve" und "Kobold" übrig geblieben. Auch existieren in meiner Sammlung leider keine Innenaufnahmen aus dem alten Laden am Markt 10, Bahnhofstr.12 (27), und Bahnhofstr.20 (31). Aus diesem Grunde bin ich sehr an folgenden Informationen interessiert:

          - Zigarrenkisten oder Schachteln unserer Zigarrenmarken Ambu Gold, Preussenfunk, usw.
          - Fotos aus dem Geschäft Markt 10 zwischen 1902 und 1929. (möglichst Innenansicht).
          - Fotos aus dem Geschäft Markt 10 um 1965.
          - Fotos von der Zigarrenproduktion im Geschäft Bahnhofstr.12 (27)
          - Fotos von der Zigarrenproduktion im Geschäft Bahnhofstr.20 (31)

Vor allem aber suche ich noch ein Foto, auf dem mein Ur-Urgroßvater Bernhard Meintgens (Meinken) zu sehen ist. Es ist gut möglich, dass er vor seinem Geschäft am Markt 10 vor 1922 einmal fotografiert wurde. Evtl. gibt es ja auch eine Zufallsaufnahme mit ihm im Hintergrund.

Ich würde mich sehr darüber freuen, wenn Sie in diesem Fall Kontakt mit mir aufnehmen würden.


Vielen Dank
Achim Meintgens
Email: achim@meintgens.de  
Tel.: 02587-1460

 

 

Interessante Links über Burgsteinfurt

Heimatverein Burgsteinfurt

Geschichtliche Daten über Burgsteinfurt und Haus Steinfurt von Hans-Walter Pries
Steinfurt 
 

 

Interessante Links zum Thema Zigarrenherstellung:

http://www.tabakanbau.de/de/  

http://www.zigarren-datenbank.de/HomePage/Infos/InfosDat/Zigarrenrollen/zigarrenrollen.html